Notizen von der Open Source Data Center Conference

Praktiker im Dialog

Die jährliche Open Source Data Center Conference führte auch in diesem Jahr wieder Admins aus aller Welt zu einem interessanten Vortragsprogramm nach Nürnberg.
Mit den Tipps und Workshops im ADMIN-Magazin 03/2013 sichern Administratoren ihre Webserver und Netze gegen Angriffe ab: gegen Abhören sensibler Informationen, ... (mehr)

"International" ist ein beliebtes Konferenz-Attribut, selbst wenn es nicht immer zutrifft. Die Open Source Data Center Conference schmückt sich nicht damit, obwohl es gerade hier die Entwicklung reflektieren würde, denn der Anteil von Referenten und Besucher aus aller Welt (Abbildung 1) und damit auch die Menge englischsprachiger Vorträge nehmen stetig zu. Der Veranstaltung mit ihrem überwiegend hochkarätigen Programm kam das auch in diesem Jahr auf jeden Fall zugute.

Abbildung 1: Blick in einen Tagungsraum während der Open Source Data Center Conference in Nürnberg, zu der über 110 Admins aus ganz Europa und Amerika angereist waren.

Aus der Praxis

So berichtete wieder einmal Kristian Köhntopp aus seiner spannenden Praxis im Rechenzentrum eines großen Hotelzimmervermittlers mit über 2000 MySQL-Instanzen, für die ein Upgrade auf das aktuelle Release 5.6 ansteht. In dieser Größenordnung ist das natürlich nur mit Automatisierung zu bewältigen, und so entstanden eigens dafür modifizierte Loadbalancer und Puppet-Skripte.

In die Kerbe Automatisierung schlugen übrigens etliche Referenten, darunter etwa Schlomo Schapiro (Abbildung 2), der ein interessantes Konzept erläuterte, sämtliche Aufgaben des Systemmanagements inklusive Konfiguration, Deployment und Tests auf der Basis von Softwarepaketen zu erledigen. Eckdaten für die Konfiguration können in seiner Umgebung aus einem Namensschema für Hosts abgeleitet werden und die Abhängigkeiten der Pakete sorgen dafür, dass umfangreiche Installations- und Konfigurationsketten abgearbeitet werden.

Abbildung 2: Schlomo Schapiro bei seiner Präsentation auf der OSDC 2013.

Wer sich für Storage interessierte, dem hatte die OSDC ebenfalls allerhand zu bieten: Der DRBD-Schöpfer Philipp Reisner stellte die Neuerungen der kommenden Version DRBD 9.0 vor, deren wesentlicher Fortschritt die Erweiterung von zwei oder drei auf bis zu 32 Knoten ist. Das eröffnet völlig neue Use Cases, wie beispielsweise voll redundante Speichernetze als Schicht unter einer Ebene mit plattenlosen Applikationsservern.

Außerdem stellte Martin Loschwitz das verteilte Dateisystem Ceph anschaulich vor, während sich Dr. Udo Seidel den Konkurrenten GlusterFS vornahm. Beide kann man durchaus als DRBD-Alternative verstehen. Die Zukunft bleibt hier also spannend.

Nachdenkliches

In gewisser Weise am entgegengesetzten Ende – nämlich nicht bei der Rechenzentrumspraxis, sondern beim Nachdenken darüber – setzte ein weiterer, hoch interessanter Vortrag an, gehalten vom studierten Philosophen und Open-Source-Verfechter Nicholas Mailer. Unter dem Titel Deconstructing the Cloud beschäftigte er sich mit den Mehrdeutigkeiten wolkiger Begriffswelten, die einerseits Bequemlichkeit und Performanz versprechen, andererseits zu innovationshemmender Machtkonzentration führen, Privatisierungstendenzen im Internet verschleiern, den einzelnen Anwender einem Monopol ausliefern oder Datenschutzprobleme heraufbeschwören. Gerade in einer Veranstaltung, die leicht in technischen Details ertrinken könnte, war dieser Vortrag ein Highlight.

Wie in bisher jedem Jahr war die Konferenz vom Veranstalter, der Netways GmbH, hervorragend organisiert, Catering und Unterbringung perfekt. Man kann sich nur wünschen, dass das auch im kommenden Jahr so gut gelingt, wenn die OSDC statt in Nürnberg erstmals in Berlin ausgerichtet werden wird.

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus
Mehr zum Thema

Call for Papers für die Open Source Data Center Conference

Für die Open Source Data Center Conference (OSDC), die vom 6. bis 7. April 2011 in Nürnberg stattfindet, sind ab sofort Vorträge und Workshops gesucht.

Artikel der Woche

Eigene Registry für Docker-Images

Wer selber Docker-Images herstellt, braucht auch eine eigene Registry. Diese gibt es ebenfalls als Docker-Image, aber nur mit eingeschränkter Funktionalität. Mit einem Auth-Server wird daraus ein brauchbares Repository für Images. (mehr)
Einmal pro Woche aktuelle News, kostenlose Artikel und nützliche ADMIN-Tipps.
Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und bin einverstanden.

Konfigurationsmanagement

Ich konfiguriere meine Server

  • von Hand
  • mit eigenen Skripts
  • mit Puppet
  • mit Ansible
  • mit Saltstack
  • mit Chef
  • mit CFengine
  • mit dem Nix-System
  • mit Containern
  • mit anderer Konfigurationsmanagement-Software

Google+

Ausgabe /2019